25. Überdiözesane Fachtagung NGL vom 15. – 17. Februar 2013 im Roncallihaus in Magdeburg

Es war ein Wochenende voller bundesweiter Begegnungen, voller Lieder, voller theologisch-spiritueller Worte und voller Entspannung.

Gerade letzteres gehört nicht zu den Assoziationen, die spontan zum Wort ,Tagung‛ einfallen würden. Da wäre eher die Rede von langen Sitzungs-, langweiligen Rede- und langatmigen Entscheidungsprozesszeiten. All das gab es auch, nur nicht mit dem Adjektiv ,lang‛. Lag es daran, dass Peter Hahnen, scheidender Referent der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, seine nunmehr letzte Tagung in Ruhe und in entspannter Atmosphäre hinter sich bringen wollte?

Wohl kaum! Deutliche Worte erklangen in seinem Schlussplädoyer vor versammelter Verantwortlichkeit des Neuen Geistlichen Liedes in Deutschland. „Macht euch klein, damit Gott groß werden kann!“ Mit anderen Worten: „Nehmt euch nicht so wichtig, sondern nehmt Gott wichtig und nur ihn!“

Vielfach könnte der Eindruck entstehen, dass diese Botschaft von manchem Künstler der Szene hier und da vergessen wird, schließlich steckt in der komponierten Musik ja vor allem auch eine Ich-Botschaft. Aber auch eine Ich-Überzeugung: Eine Überzeugung, die aus dem Glauben an Jesus Christus heraus atmet, sich durch ihn entwickelt und sich an ihm immer wieder messen muss. Und die Messlatte liegt hoch, das merken vor allem die Texter Neuer Geistlicher Lieder, wenn es darum geht, komplizierte theologische Sachverhalte in eine alltagstaugliche Sprache zu übersetzen. Hier verteilte auch die Referentin des Studienteils der Tagung, Frau Prof. Dr. Regina Radlbeck-Ossmann, Professorin für Systematische Theologie am Institut für Katholische Theologie und ihre Didaktik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, einen ordentlichen „Schwarzen Peter“ an ihre eigene Zunft. Die Theologie, besser die Theologen, so ihre Worte, hätten es sich angewöhnt in sehr komplizierten Sätzen zu sprechen, was nicht gerade zur Verständlichkeit und Vermittlung von Glaubensinhalten beitrage. Es gelte aber als „Perle“ zu bewahren, was der Verfasser des Ersten Petrusbriefes seinen Lesern und Leserinnen mit auf den Weg gab: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ Was nützt es da den Fragenden, wenn in komplizierten theologischen Satzgefügen oder in bewährter liturgischer, metapherreicher Liedtextsprache geantwortet wird? Es müsse doch möglich sein in einem Satz auf den Punkt zu bringen, was christlichen Glauben ausmache, mutmaßte die Theologin. So sollte es ihrer Meinung nach immer um das Kreuz gehen, aber nicht um eine mit dem Kreuz oft in Verbindung gebrachte Leidensmystik, sondern um die Hoffnung auf die Auferstehung. Das Kreuz müsse daher vordergründig als Symbol der Auferstehung gedeutet werden, nicht als Symbol des Todes und des Leidens, so die These der Systematikerin. Ihre Worte fanden starken Beifall und wurden auch in der Auswertungsrunde nochmals deutlich positiv reflektiert.

Nicht minder positiv wurden die Worte von Pater Andreas Knapp, Mitglied der „Kleinen Brüder vom Evangelium“ aufgenommen. Der hoch-spirituelle, sehr wortgewandte Mann aus Leipzig berichtete in freundlichen, an Erfahrungen sehr reichen Sätzen von einer Diasporasituation, die unumgehbar fordere in der Sprache der Menschen vor Ort zu sprechen. Gern würde er im Gespräch mit den ihn umgebenden Menschen bestimmte theologische Worte verwenden, nur stellt er immer wieder fest, dass vieles an religiöser Sprache keineswegs mehr vorausgesetzt werden kann. So beobachtete er eine Szene in einem großen Leipziger Kaufhaus, in dem zur Adventszeit eine kleine Gruppe Advents- und Weihnachtslieder sang, also Lieder, die von der Ankunft des Gottessohnes erzählen.  Als ein Passant diesen Gesang hörte, meinte er nur: „Jetzt reißen sich diese Christen auch noch Weihnachten unter den Nagel!“

NGL muss deutlich bleiben, es muss aber andocken an die Sprache der Menschen, und nicht nur der Menschen, die kirchlich-liturgisch sozialisiert sind, sondern an alle Menschen, die nach der Hoffnung fragen, so könnte der Hinweis beider Referenten an die NGL-Szene verstanden werden.

An manchen Stellen ist zu spüren, dass sich die NGL-Szene Deutschlands diese Hinweise schon zu Herzen genommen hat und zu Herzen nimmt. Drehten sich doch die meisten der vorgeschlagenen Themen für die nächste Tagung um die Frage von zeitgemäßer Vermittlung von NGL. Dabei kamen die Forderung nach Veränderung der NGL-Sprache, nach Marketing des NGL und nach Professionalität von NGL zu Wort. Exemplarisch ist hier vor allem auf das Projekt „Voices of Worship“ von Kai Lünnemann, Beauftragter für Popularkirchenmusik im Bistum Osnabrück, aufmerksam zu machen. Es (ver)spricht nicht nur eine moderne jugendgerechte, sondern auch eine musikalisch klar an Pop- und Soulmusik orientierte Sprache, die besonders durch ihre Professionalität punktet. Ein sehr gelungenes Beispiel einer Schnittmenge aus effektiver und echter Vermittlung von Glaubensinhalten sowie aktueller, moderner und professioneller Musik.

 

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